XXVII. Große Herbstjagd in Roth

Am 20.09.2015 war es endlich wieder soweit. Ein Jahr mussten die Reiter auf eine erneute Auflage dieses Jagdklassikers hinter den Beagles der Frankenmeute warten und die Organisatoren der großen Rother Herbstjagd hatten sich wieder einiges einfallen lassen, um den Gästen einen großartigen Tag zu bereiten. Bereits beim Stelldichein am Jagdstall der Familie Kratzer konnte man sich nach der Begrüßung im Rahmen einer kleinen Ausstellung zur Jagdgeschichte vom Mittelalter bis in die Moderne rund um das Jagdschloss der Hohenzoller Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach informieren. Die Greifvögel des Falkners und Equipagenreiters Günter Biesenecker rundeten den Ausstellungsbereich eindrucksvoll ab. Auch ein Videoclip zu diesem 27.Meeting in Roth ist geplant, zu dessen Zweck aus der Wagenkolonne, mit einer GoPro Helmkamera zu Pferde und aus der Luft mit einer Drohne gedreht wurde. Das Filmchen soll dann den Gästen und Reitern auf der Vereinshomepage und auf der Facebookseite “Reiterhof Roth-Kiliansdorf” in einigen Wochen präsentiert werden.

Bereits gegen 10.30 Uhr trafen die ersten der 55 angemeldeten Feldreiter ein und der Platz vor dem Jagdstall in Roth/Kiliansdorf füllte sich schnell, so konnte sich auch die Equipage der Frankenmeute, stark besetzt mit sechs Pikeuren, unter der Führung von Master Uwe Hochbrückner über viel Interesse an dieser Jagd freuen. Man unterhielt sich prächtig bei einem Glas Sekt und freute sich über die schöne Szenerie am Platz. Immer wieder ertönten die Signale der Clubeigenen Reiterlichen Jagdhornbläser Franken und umrahmten so das Geschehen für die rund zweihundert Gäste, unter denen auch einige Vertreter des Rother Stadtrates und Bürgermeister Ralph Edelhäusser anzutreffen waren. Einige Randscenen spielten sich ab, so wurde durch Marion Knoche, der Organisatorin der Jagd am Tattersal in Nürnberg der rote Rock von Theo Moritz, dem Initiator und langjährigen Ausrichter der legendären Tattersaljagden überreicht. Ebenso ließ man das frisch vermählte Ehepaar, Juliane Hoffmann-Meiler und Jörg Meiler, ebenfalls langjährige, verdiente Mitglieder des R.R.K. hochleben. Nach den Begrüßungen des Vorsitzenden des Reitclubs Roth, Markus Kratzer und dem Präsidenten der Frankenmeute, Jürgen Hoepffner, stiegen gegen 11:30 die Reiter schließlich in die Sättel und die rund zwanzig Beagles der Frankenmeute wurden aus dem Zwinger gelassen. Die Schleppjagd mit der Hundemeute ist eine rein sportliche, kulturelle und gesellschaftliche Angelegenheit und verläuft absolut unblutig, da die Hunde auf eine künstliche Fährte trainiert sind und keinem Wild hinterherjagen. Nach den ersten “runs” nach Belmbrach tauchten bei Hofstetten bereits die ersten der rund 20 Hindernisse auf, die von den Pferden mit ihren Reitern überwunden werden mussten. Im ersten Reiterfeld, geführt vom Feldmaster Florian Kallert und seinen Pikeuren Christina Kösling, Andrea Domanowski und Jörg Meiler, musste gesprungen werden, im zweiten Feld, geführt von Juliane Hoffmann-Meiler wurde nicht gesprungen. Die Aufteilung der gut 60 Reiter in zwei Felder diente maßgeblich der Sicherheit und findet in Roth seit jeher mit gutem Erfolg Anwendung. Am Ende ritten die beiden fachkundigen Schlusspikeure Elke Behles und ihre Tochter Barbara. An dieser Stelle ein besonderer Dank an die Stadt Roth, die diese Jagd ganz toll unterstützt, die Frankenmeute, allen Helfern und Freunden und allen voran den Landwirten, ohne deren Zustimmung diese Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre!

Bei Eckersmühlen überquerte man den Rhein-Main-Donaukanal und folgte der Fährte durch den Wald hin zum Rothsee, wo man beim befreundeten Stall Zwiefelhof bei Familie Handschuck herzlich begrüßt wurde. Auf einer Koppel direkt am Ufer des Rothsees wurde eine Pause eingelegt. Nachdem die Pferde versorgt und auf Verletzungen hin untersucht waren, wurde den Reitern Häppchen gereicht und etwas zu trinken angeboten. Die Bläser spielten dazu ihre historischen Spielstücke und nach etwa einer halben Stunde hieß es Aufbruch. So begab sich der beachtliche Tross zu einer Schauschleppe für die Zuschauer auf den Rothseewiesen. Auf dem Heimweg warteten noch zahlreiche sportliche Herausforderungen, bevor es auf der Hoyweide der Familie Kratzer nach der traditionellen vierer Hindernisskombination lauthals "Halali, Halali" hieß und die Jagd aus reiterlicher Sicht beendet war. Man begab sich zum Rendezvousplatz zur Bruchübergabe, jeder Reiter bekommt hier nach altem weidmännischen Brauch einen kleinen Eichenlaubzweig und den Knopf der Meute überreicht. Für die Pferde gab es eine Karotte für die geleisteten, treuen Dienste und die Hundemeute wurde für ihre großartige Lauf- und Nasenarbeit mit einem Rinderpansen “genossen” gemacht, der in Windeseile in den Beaglemägen verschwand. Diese Zeremonie, der die Reiter mit gezogenen Kappen beiwohnen bis zum Schluss, nennt man “Curee”. Im Anschluss wurden die Pferde gewissenhaft versorgt und verladen. Erst dann kamen noch einmal alle zum gemeinsamen Essen zusammen. Der Rother Clubkoch zauberte unter freiem Himmel auf einem alten Küchenofen fränkische Köstlichkeiten und nach Kaffee und Kuchen verabschiedeten sich nach und nach die Reiter um die, teils lange, Heimreise anzutreten. Jedoch nicht ohne sich noch einmal umzudrehen und eine herzliches "Auf Wiedersehen – bis nächstes Jahr in Roth" zu rufen.

Michael Rosentritt

 

Zurück